
Einen wesentlichen Anteil daran hat das True-Sound-Projekt von Heinz Däppen. Der begnadete Sounddesigner zeichnet für die Abstimmung des Zusammenspiels von Fahrbewegung, Sound und Rauch verantwortlich. Däppen kennt unzählige Vorbilder nicht nur aus technischen Unterlagen, sondern buchstäblich vom Hören und weiss sehr genau, wann ein Dieselmotor wie klingen muss. Gerade beim Tmf zeigt sich diese Erfahrung eindrucksvoll. Motordrehzahl, Fahrbewegung und Rauchausstoss wirken nicht wie drei voneinander unabhängige Funktionen, sondern greifen ineinander und vermitteln gemeinsam den Eindruck eines arbeitenden Dieselmotors.
Dabei kommt ihm auch sein fundiertes Wissen aus seiner eigenen Modellbahnzeit mit amerikanischen Vorbildern zugute. Gerade dort spielen schwere Diesellokomotiven, Lastwechsel und die möglichst glaubwürdige akustische Umsetzung des Fahrbetriebs seit jeher eine zentrale Rolle. Dieses Wissen merkt man dem Tmf an. Hier läuft nicht einfach ein Motorengeräusch parallel zum fahrenden Modell und irgendwo daneben produziert ein Verdampfer etwas Rauch. Sound, Bewegung und Rauch bilden eine Einheit.
Beim Anfahren steigt die Motordrehzahl, die Rauchentwicklung nimmt zu und erst dann setzt sich der Tmf in Bewegung. Unter Last verändert sich das gesamte Schauspiel entsprechend. Genau solche Feinheiten machen aus einer digitalen Funktion mehr als nur eine technische Spielerei. Sie lassen den kleinen Tmf auf dem Gleis plötzlich erstaunlich lebendig wirken.
Rangieren statt Runden drehen
Gute Digitaldecoder bauen heute alle namhaften Anbieter. ZIMO verfolgt dabei allerdings eine Philosophie, die sich ziemlich treffend zusammenfassen lässt: Manche wollen einfach fahren – ZIMO will mehr. Und genau dieses Mehr passt hervorragend zu einem Modell wie dem Tmf. Denn hier geht es nicht nur darum, dass sich das Fahrzeug bewegt. Fahren, Sound, Beleuchtung und Rauch sollen zusammenspielen und aus einem Modell einen glaubwürdigen Rangiertraktor machen.
Die Entscheidung macht sich deshalb nicht nur beim Sound bemerkbar. Zusammen mit dem grosszügig dimensionierten Energiespeicher verleiht der verbaute ZIMO-Decoder dem Modell hervorragende Fahreigenschaften. Selbst über eine ausgedehnte Weichenstrasse mit nicht ganz sauberen Schienen gleitet der Tmf ruckfrei hinweg, als wäre nichts gewesen. Gerade bei einem Rangiertraktor ist das entscheidend. Ein Tmf lebt nicht davon, mit konstanter Geschwindigkeit Runde um Runde über die Anlage zu ziehen. Sein Alltag besteht aus Anfahren, Beschleunigen, Bremsen, Anhalten – und gleich wieder Anfahren. Zentimetergenau an einen Wagen heranfahren, wieder zurücksetzen, eine Weiche überqueren, erneut abbremsen und den nächsten Wagen aufnehmen: Erst damit entsteht jenes Rangierfeeling, das man von den Bahnhöfen in den Bündner Bergen kennt.
Genau hier müssen Decoder, Motoren und Getriebeübersetzung perfekt zusammenspielen. Ruckeln, Stottern oder ein unvermittelter Satz beim Anfahren haben in der Laufkultur eines anspruchsvollen Modells nichts verloren. Und genau hier überzeugt der Tmf 2/2 von TL45. Zwei Motoren treiben jeweils eine Achse an, während die feinfühlige Motorregelung dafür sorgt, dass sich der kleine Traktor ausgesprochen sauber und kontrolliert bewegen lässt. Selbst im sprichwörtlichen Schritttempo bleibt der Lauf gleichmässig und ruhig.
Der Tmf fährt nicht einfach gut. Er rangiert gut. Und das ist ein entscheidender Unterschied.
Es werde Licht – aber bitte richtig
Ein Decoder ist nicht nur für Motorsteuerung und Sound zuständig, sondern auch die Schaltzentrale für die Dienstbeleuchtung. Und auch hier legt TL45 beim Tmf 2/2 die Messlatte erfreulich hoch. Seit bei Modellbahnen irgendwann die automatisch wechselnde Stirnbeleuchtung Einzug hielt, wird der «Lichtwechsel mit der Fahrtrichtung» beinahe wie der heilige Gral der Modellausstattung angepriesen. Zunächst wurde das Ganze mit Dioden realisiert, später übernahm der Decoder diese Aufgabe. Das Prinzip blieb jedoch meistens dasselbe – und damit auch ein Fehler: Beim Vorbild wechselt das Licht nicht einfach mit der Fahrtrichtung. Entscheidend ist vielmehr, welcher Führerstand besetzt ist und von wo aus der Lokomotivführer das Fahrzeug bedient. Und im Rangierdienst gelten nochmals andere Regeln.
Bei einer Fahrt auf der Strecke zeigt der Tmf die für Schweizer Triebfahrzeuge charakteristische 3+1-Signalisierung: drei weisse Lichter vorne und hinten rechts ein weisses Licht. Gerade dieses einzelne weisse Licht am Zugschluss ist eine schweizerische Besonderheit, die man bei anderen Bahnen in dieser Form nicht kennt. Im Rangierdienst sieht die Sache anders aus. Hier werden auf beiden Fahrzeugseiten gleichzeitig die beiden unteren weissen Lichter gezeigt. Also nicht drei weisse Lichter vorne und ein weisses hinten rechts, die bei jedem Fahrtrichtungswechsel munter die Seiten tauschen, sondern unabhängig von der momentanen Bewegungsrichtung immer vorne und hinten jeweils zwei weisse Lichter.
Welche Seite des Triebfahrzeugs als Vorwärtsrichtung gilt, wird dabei durch das gewählte Bedienpult definiert; am Fahrzeug wird diese Seite zusätzlich mit einem «V» gekennzeichnet. Gerade beim Rangieren kann sich das Fahrzeug schliesslich ständig vor- und rückwärts bewegen, ohne dass der Lokomotivführer deshalb nach jedem Richtungswechsel den Führerstand wechselt.
Und genau diese Feinheit hat man beim TL45-Modell berücksichtigt. Der Tmf 2/2 kann sowohl die 3+1-Signalisierung für die Fahrt auf der Strecke als auch die korrekte Rangierbeleuchtung mit je zwei weissen Lichtern an beiden Fahrzeugenden darstellen. Selbstverständlich wurde auch diese Besonderheit im True-Sound-Projekt von Heinz Däppen berücksichtigt und entsprechend in die Funktionen integriert. Auch die Fahrt als Lokzug mit rotem Zugschluss beherrscht der Tmf 2/2 von TL45.
TL45 hat verstanden, dass vorbildgerechte Digitalisierung nicht einfach bedeutet, möglichst viele Lämpchen schalten zu können, sondern die richtigen Lichter im richtigen Betriebszustand zu zeigen.
Kraft genug für seine Aufgabe
Die Zugkraft ist bei Modellbahnen immer eine Grösse, die eine gewisse Rolle spielt – überbewerten sollte man sie allerdings nicht. Der Tmf 2/2 bringt immerhin stattliche 2100 Gramm auf die Waage und ist mit seinen beiden Motoren, von denen jeder eine Achse antreibt, adäquat motorisiert. Zehn lange Reisezugwagen durch einen R1-Bogen und gleichzeitig eine Steigung von 70 Promille hinaufzuwuchten, wird allerdings weder das Modell schaffen – noch wäre eine solche Aufgabe für sein Vorbild sonderlich typisch.
Das muss der Tmf aber auch gar nicht können. Sein Metier ist der Rangierdienst. Ein oder zwei mit Holz beladene Rp-w auf ebenen Bahnhofsgleisen verschieben, einen abgestellten Personenwagen umsetzen oder eine kleine Wagengruppe bereitstellen: Für solche Aufgaben reicht das Antriebskonzept allemal. Viel wichtiger als spektakuläre Zugkraftwerte ist bei einem Rangiertraktor ohnehin etwas anderes: Die vorhandene Kraft muss sich feinfühlig und kontrolliert auf die Schiene bringen lassen. Und genau das beherrscht der TL45-Tmf ausgesprochen gut.
Der richtige Ton
Selbstverständlich ist der Tmf 2/2 auch mit Sound ausgestattet. Neben den eigentlichen Fahrzeuggeräuschen sind verschiedene Funksprüche implementiert – selbstverständlich stilecht im Bündner Dialekt. Die einzelnen Geräusche wirken authentisch und passen sehr gut zum Charakter des Fahrzeugs. Motorstart, Leerlauf, Hochdrehen und Lastwechsel begleiten die Bewegungen des Tmf überzeugend und tragen viel dazu bei, dass aus dem fahrenden Modell ein kleiner Rangiertraktor wird. Mit der Zeit stellt man allerdings fest, was vermutlich für praktisch jedes Soundmodell gilt: Man ist durchaus dankbar, dass es eine CV gibt, mit der sich die Lautstärke reduzieren lässt.
Fazit
Der RhB Tmf 2/2 von Train Line 45 ist ein gelungener Wurf aus der Modellbahn-Manufaktur in Kirchlengern. Vorbildgetreu, fein detailliert und sauber bedruckt, zeigt das Modell an vielen Stellen jene Liebe zum Detail, die wir uns bei Modellen für unsere Gartenbahn wünschen. Die Konstruktion ist zweckmässig und auf das Einsatzgebiet des kleinen Rangiertraktors abgestimmt.
Besonders überzeugt aber das Gesamtpaket. Die hervorragenden Langsamfahreigenschaften, die vorbildgerechte Beleuchtung, der authentische Sound und nicht zuletzt das Zusammenspiel von Fahrbewegung, Motorengeräusch und Rauch machen aus dem Tmf weit mehr als ein Modell, das lediglich schön anzusehen ist.
Er lädt zum Rangieren ein – und genau das muss ein Tmf 2/2 können.
Natürlich kann man über den Preis diskutieren. Man sollte dabei allerdings nicht vergessen, welcher Aufwand notwendig ist, um ein solches Modell überhaupt auf die Schienen zu stellen. Recherche, Konstruktion, Formenbau, Elektronik, Bedruckung und Montage werden nicht wesentlich günstiger, nur weil das Vorbild etwas kleiner ist.
Erst sehr grosse Stückzahlen könnten diese Entwicklungskosten auf entsprechend viele Modelle verteilen – und genau die sind bei einem derart speziellen Fahrzeug kaum zu erwarten. Ein Rangiertraktor wird auf den meisten Anlagen schliesslich als Einzelfahrzeug seinen Dienst versehen.
Umso wichtiger ist es für einen Hersteller, aus einer aufwendigen Neukonstruktion weitere Varianten entwickeln zu können. Eine andere Farbgebung wäre dafür geradezu prädestiniert. Train Line 45 hat mit dem Tmf 2/2 jedenfalls gezeigt, dass der verwegene Schritt vom Harz ins Land der 150 Täler durchaus funktionieren kann.
Dieser kleine orange Traktor markiert dabei den Auftakt zu einem neuen Kapitel. Wir sind gespannt, wie viele Seiten noch folgen werden.
