RhB Rangiertraktor Tmf 2/2 von TrainLineGartenbahnen GmbH
Aller guten Dinge sind … vier?

RhB Tmf 2/2 85 von Train Line Gartenbhanen GmbH
Train Line Gartenbahnen GmbH hat geschafft, woran sich zuvor bereits einige versucht hatten: einen RhB Tmf 2/2 als serienmässiges Modell in der Spur 2m auf die Schienen zu bringen.
Train Line Gartenbahnen GmbH – kurz TL45 – gehört nicht zu jenen Herstellern, deren Name seit Jahrzehnten untrennbar mit Modellen der Rhätischen Bahn verbunden ist. Ganz im Gegenteil: Das Unternehmen aus Kirchlengern in Ostwestfalen machte sich zunächst mit einem eigenen Gleissystem und später vor allem mit Fahrzeugen nach deutschen Schmalspurvorbildern einen Namen. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten dabei Modelle nach Vorbildern der Harzer Schmalspurbahnen. Und nun also die Rhätische Bahn. Quasi aus dem Land der Harzer Schmalspurbahnen ins Land der 150 Täler – an mangelndem Selbstvertrauen scheint es TL45 jedenfalls nicht zu fehlen.
Fast könnte man es verwegen nennen, sich ausgerechnet in dieses Revier vorzuwagen. Denn die Ansprüche der RhB-Modellbahner sind hoch. Proportionen, Farbgebung, Anschriften und selbst kleinste Bauartunterschiede werden von einer ausgesprochen sachkundigen Fangemeinde genau beobachtet. Zudem trifft ein neuer Anbieter auf einen Markt, der seit Jahrzehnten von einigen wenigen, bestens bekannten Namen geprägt wird. TL45 scheint sich davon nicht abschrecken zu lassen. Im Gegenteil: Mit dem Tmf 2/2 nahm man sich ausgerechnet eines Fahrzeugs an, das trotz seiner grossen Verbreitung beim Vorbild bislang erstaunlich schlecht in der Spur 2m vertreten war.
Verwegen? Vielleicht. Aber genau darin liegt auch die Chance. Denn wer als neuer Anbieter im RhB-Markt bestehen will, muss nicht unbedingt das hundertste Modell eines ohnehin schon bekannten Fahrzeugs bringen. Mit dem Tmf 2/2 hat sich TL45 ein Vorbild ausgesucht, das auf vielen RhB-Anlagen eigentlich längst fehlen müsste – und für das es bislang keine wirklich überzeugende und problemlos erhältliche Alternative gab.
Auspacken und - zurüsten
Der Kleine kommt in einer schmucken und zweckmässigen Verpackung daher, die dafür sorgt, dass das Modell den Transport unbeschadet überstanden und damit ihren wichtigsten Zweck bereits erfüllt hat. Persönlich bin ich Modellbahner und kein Schachtelbahner also die Verpackung gleich entsorgt und das Thema ist für mich erledigt. Der erste Eindruck des Modells ist ausgesprochen stimmig. Proportionen und Erscheinungsbild lassen den Tmf auf Anhieb als das erkennen, was er sein soll: den bulligen, kantigen, modernen Rangiertraktor der Rhätischen Bahn.
Sofort aufs Gleis darf er allerdings noch nicht. Dem Modell liegt eine Tüte mit rund 30 Zurüstteilen bei. Natürlich könnte man den Tmf auch ohne diese einsetzen. Wer die Modelle des Marktführers in der Spur H0m kennt, dürfte mit diesem Prozedere bestens vertraut sein: Auch dort gehört das Zurüsten praktisch zum Ritual nach dem Auspacken – unabhängig davon, wie viel das Modell gekostet hat. Beim TL45-Tmf gab es dabei allerdings eine erfreuliche Überraschung. Allen anfänglichen Befürchtungen zum Trotz passen die Zurüstteile ausgesprochen gut. Die meisten lassen sich problemlos an den dafür vorgesehenen Stellen einsetzen und halten dort sogar ohne Klebstoff. Das macht aus einer zunächst etwas respekteinflössenden Tüte voller Kleinteile eine erstaunlich unkomplizierte Angelegenheit.

Liebe zum Detail
Nach dem Zurüsten macht der Tmf 2/2 von TL45 bereits eine unglaublich gute Figur. Lediglich bei den Scheibenwischern ich wir vor der Montage noch schnell zum Lack gegriffen und ihnen mit RAL 9006 Weissaluminium ein dem Vorbild entsprechendes Erscheinungsbild verpasst. Das Zurüsten hat dabei auch noch einen durchaus angenehmen Nebeneffekt: Man beschäftigt sich zwangsläufig intensiver mit dem Modell. Man entdeckt zahlreiche Details, die einem beim blossen Betrachten vielleicht zunächst verborgen geblieben wären.
Und steht der Tmf schliesslich fertig vor einem, überkommt einen tatsächlich das Gefühl, dass die Rhätische Bahn auf der Gartenbahnanlage wieder einmal einen ausgesprochen gelungenen Zuwachs erhalten hat. Neben den Scheibenwischern werden an beiden Frontseiten verschiedene Schläuche und die Zughaken montiert. Dazu kommen Rückspiegel – und dann wird es schon fast herzallerliebst: Hemmschuhe und sogar eine Schneeschaufel gehören ebenfalls zur Ausstattung.
Das kleine Gleissperrsignal zeigt, dass bei der Konstruktion sogar noch etwas weitergedacht wurde als nur an das Modell selbst. Die Gleissperrtafel kann entweder am dafür vorgesehenen Platz direkt am Fahrzeug montiert werden oder – und das ist besonders clever – in einen eigens dafür gefertigten Halter eingesetzt und als Gleissperrsignal auf der Strecke verwendet werden, beispielsweise um einen abgestellten Wagen oder eine Baustelle zu decken.
Was zunächst wie eine unscheinbare Zugabe wirkt, entpuppt sich damit als ausgesprochen durchdachtes Detail. Zusammen mit der Schneeschaufel und den separat angesetzten Hemmschuhen wird deutlich, mit welcher Konsequenz TL45 an die Umsetzung herangegangen ist. Für die grundsätzliche Wirkung des Modells wären solche Details nicht zwingend notwendig gewesen. Trotzdem sind sie da. TL45 hat sich offensichtlich ein wenig ins Detail verliebt – und alles umgesetzt, was sich im Rahmen einer Serienproduktion finanziell noch vernünftig realisieren liess. Genau das sieht man dem fertigen Tmf an. Fertig zugerüstet hat er sich zu einem kleinen Bijou gewandelt, bei dem man auch beim zweiten und dritten Hinsehen noch etwas Neues entdeckt.
Sound, Rauch und Bewegung
Bei meinem Modell handelt es sich um die Digitalversion mit Vollausstattung. Decoder von ZIMO, umfangreiche Beleuchtungsfunktionen, Sound und sogar ein Rauchgenerator sind mit an Bord. Gerade das Thema Rauch ist bei einem Dieselfahrzeug allerdings so eine Sache. Bei einer Dampflok gehört eine kräftige Rauchfahne zwingend dazu. Bei modernen Dieselfahrzeugen sieht die Realität längst anders aus. Strenge Abgasvorschriften sowie moderne Abgasnachbehandlung und Filtersysteme sorgen dafür, dass im normalen Betrieb kaum noch sichtbare Abgasfahnen entstehen. Oft verrät lediglich das Flimmern der warmen Abluft, dass dort überhaupt Abgase austreten. Seien wir ehrlich: Wenn der Diesel hochdreht, aus dem Auspuff zunächst eine Rauchfahne steigt, sich der Tmf langsam in Bewegung setzt und unter Last schliesslich eine satte Wolke in den Modellbahnhimmel jagt, dann mag das vielleicht nicht immer ganz dem heutigen Abgasverhalten des Vorbilds entsprechen. Aber es sieht einfach geil aus.
Und vor allem: Es macht Spass.
