Beim Vorbild sind die kobaltlau/schwarzen HG 3/4 so nicht mehr im Einsatz, auch wenn die Farbgebung dem Modell eine gewisse Eleganz verleiht

Modell Bei der HG 3/4 Zahnraddampflokomotive in 2m von KISS Modellbahnen, handelt es sich zweifellos um ein Modell, dass bei vielen Modelleisenbahner schon lange Zeit ganz oben auf der Wunschliste steht. Die beim Vorbild durch die Dampfbahn Furkabergstrecke liebevoll gehegten und gepflegten Maschinen finden Anhnger auf der ganzen Welt. KISS hat den Wunsch der Modellbahnfreunde gehört und realisiert das interessante Vorbild in fünf Verschiedenen Varianten. Wie immer bei KISS Modellbahnen sieht das Pflichtenheft für ein Modell nicht nur das Dasein in einer Vitrine vor, sondern das Modell muss auch kompromisslos für den harten Freilandbetrieb tauglich sein. Dadurch war für das Projekt HG ¾ die Messlatte sehr hoch gesetzt, denn KISS bekundete in der Vergangenheit etwas Mühe bei der Realisierung eines Zahnradantriebes. Daher war es absolut Zwingend, dass vor der Umsetzung des Vorbildes ins Modell, ein funktionierender und getesteter Zahnradantrieb zur Verfügung stehen musste.

Die DFB waren für Bau, Betrieb und Unterhalt ihrer Dampfbahn auf Sponsoren angewiesen, einer Hauptsponsor wurde als Gegenleistung dafür mit einem schönen Schild aus Messingguss erwähnt

Noch vor der Ankündigung des Modell wurde ein Prototp für den Zahnradantrieb in Auftrag gegeben. Das Vorgängig erstellte Pflichtenheft sah vor, dass der Zahnradantrieb für eine realistische Anhängelast von 4-5 Zweiachsern auf vorbildrichtiger Steinigung von 110 ‰ genügen muss, dabei für einen maximalen Strom von 4 A ausgelegt sein muss und keinen Freilauf haben darf, so dass der ganze Zug bei Talfahrt selbsthemend ist. Weiter wollte man möglichst keine Traktion über die Kuppelstangen übertragen. Entgegen dem Vorbild, wo der Zahnradantrieb in einem "Zahnradwagen" zwischen der Achse 2 und 3 läuft, wurde der Modellantrieb unter dem Führerhaus auf die Achse 4  verlegt. Dies ist nicht vorbildlich, ermöglicht es aber, dass relativ enge Modellbahnradien, auch mit Zahnstangen, befahren werden können und dass das Hauptgewicht voll auf dem Antriebszahnrad liegen wird um so ein Aufsteigen des Modell verhindern zu können. Dieser Kompromiss ist aktzeptabel, da der Zahnradantrieb im Chassisrahmen kaum sichtbar ist. Wie beim Vorbild wurden beide Zahnräder realisiert, das 2. Zahnrad wurde aber für den "umgekehrten" Antrieb des Zahnstangentriebwerkes verwendet. Das heisst, das Zahnstangentriebwerk, dass nur in Zahnstangenabschnitten aribetet, wird durch das befahren einer Zahnstange über das Zahnrad angetrieben. Auf Adhäsionsabschnitten ist das Zahnstangentriebwerk funktionslos, leider, aber eben vorbildlich.

⇑ Rauchkammertüre zum öffnen mit funktionierenden Vorreibern ⇑ Viele feine Details machen das Modell zu einem Meisterwerk

 

Die Testfahrten des ersten Prototyp ergaben, dass noch optimierungsbedarf an der Übersetzung vorhanden war, nach der Korrektur des Übersetzungsverhältniss, wurde ein weiterer Dummy, der optisch und bis auf die Achsanordnung, noch nicht viel mit einer HG 3/4 gemeinsam hatte gebaut. Dieser wurde erneut auf einer Anlage mit Zahnstangenabschnitten getestet. Der Test bestätigte, dass man auf dem richtigen Weg ist, jedoch das Getriebe noch mehr untersetzen werden kann. Parallel dazu, wurde eine Musterlokomotive in Auftrag gegeben. Darin sollten die Erkenntnisse der Testfahrten für die Getriebeübersetzung sowie die Proportionen des zu erwartenden Modells ersichtlich werden. Nach viermonatiger Bauzeit wurde das Muster im Frühjahr 2018 geliefert und umgehend einem harten Testprogramm unterzogen. Dabei ging es in erster Linie um die Überprüfung der Funktionsfähigkeit des Zahnradantriebes aber auch ob das Modell überhaupt in der Lage war, die geforderten Werte zu erreichen.

Auf einer 140 ‰ steilen Testrampe, wurde in langsamer Fahrt das Testprogramm, anfänglich noch ohne Anhängelast gestartet. Einfahrt in die Zahnstange, mit Fahren in die Steigung und das Fahren auf der Rampe sowie der Übergang wieder in die horizontale verliefen absolut problemlos. So dass umgehend ein weiterer Test mit realistischer Anhängelast bestehenden aus 4 Zweiachsern erfolgen konnte. Da auch dieser Test zur völligen Zufriedenheit der Konstrukteure verlief, entschloss man sich, das Testprogramm zu verschärfen. Ein vierachsiger Spezialwagen, mit einem schweren Aluminiumaufbau, der ein Gewicht von fast 6 kg aufweist, wurde angehängt und die Steigung erneut in Angriff genommen. Das Resultat war absolut überzeugend und man entschloss sich, aufs Ganze zu gegen. Zwei weitere dieser Spezialanfertiguneg aus Aluminium wurden der beigestellt, die Anhängelast hatte nun ein Gewicht von beinahe 18 kg. Das Resultat war kaum unglaublich, die Maschine beförderte die ganze Last, sowohl bergwärts wie talwärts, bis der Decoder wegen Überlast eine Schutzabschaltung machte. Es war aber eindeutig zu erkennen, dass der Antrieb die an ihn gestellten Anfoderungen erüllt.

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Die Kiss HG 3/4 lässt nicht nur die Herzen von Dampffans höher schlagen

Nachdem bestätigt war, dass die Konstruktion des gewählten Antriebes erfolgreich war, konnte man aber auch erkennen, dass das Modell auch in der Detaillierung und der Modellumsetzung Akzente zu setzen vermag. Dass das Modell "nur" mit sechs Laternen ausgerüstet ist, ist übrigens vorbildlich. Die HG 3/4 verkehren grundsätzlich in Vorwärtsrichtung und werden an den Endpunkten über Drehscheiben für die Rückfahrt gedreht. Wenn ausnahmsweise einmal eine Fahrt mit Führerstand voraus stattfinden soll, werden die Laternen umgesteckt, so dass wieder die vorgeschriebenen 3+1 Signalisierung gezeigt wird. Selten bis waren die Loks mit sechs Laternen bestückt, nämlich damals als die reaktivierte Bergstrecke noch nicht den durchgehenden Betrieb zuliess, sondern nur von Realp bis vor den Scheiteltunnel gefahren werden konnte und die Lok, weil die Drehscheiben auch noch nicht wieder funktionstüchtig war, Rückwärts nach Realp zurück gefahren werden musste. Da hatte man aus Bequemlichkeit manchmal 6 Laternen auf der Lok montiert. Aber das war nicht Regelbetrieb.


 

 

Das Modell ist hoch detailliert und weist viel kleine fast übersehbare Funktionen auf. Rauchkammertüren zum Öffnen, funktionierende Wasserkastendeckel, Türen zum Öffnen und eine lodernde Feuerbüchse wurden realisiert. Aus technischen Gründen konnte kein funktionstüchtiger Antrieb für die Anzeigetafel der Synchronisierung des Zahnstangentriebwerkes, die sogenannte Viererkelle (ein Ausdruck aus dem Schiesssport)  nicht realisiert werden, jedoch ist die Tafel selbstverständlich vorhanden.