Was ist aus uns und unserem Hobby geworden?

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5 Monate 5 Tage her #16205 von veni
Dies soll ein kritisches Nachdenken über unser gemeinsames Hobby sein.
Lange her sind die Zeiten, als man uns auf der Messe in Nürnberg mit etlichen (gerade noch bezahlbaren) Neuheiten zu überraschen pflegte.
Billig war dieses Hobby seit dem Anfang an aber nie.
Heutzutage spiegelt unser Hobby das Bild der Gesellschaft. Die Schere geht immer weiter auf.
Während die einen jedes Jahr zumindest ein Modell vom Kiss in die Glasvitrine stellen, wird das Angebot an "Spielzeugen für das Mittelklassevolk" immer dünner. Ein Wunder, dass es Märklin noch gibt, ehrlich gesagt, vor ein paar Jahren habe ich die Zukunft von LGB wirklich düster gesehen. Aber die Auflagen werden immer kleiner, (werden deshalb dann Plastikmodelle bald Sammlerwert haben?)die Hersteller wollen kein Risiko tragen ( genauso wie die Banken, die das unternehmerische Risiko zunehmend auf die Kunden verlagern und Filialen schließen.
Und wo bleiben Formneuheiten am Gebäudesektor? Weder Faller, noch Piko trauen sich noch was zu. Da stellt sich die Frage: wird denn alles, was an Fahrzeugen heutzutage noch verkauft wird, in die Vitrinen gestellt, oder wollen die Kunden selbst nichts mehr zusammenbauen?
Immerhin findet man in den Foren kaum noch Berichte über Umbauten von Fahrzeugen.
Den erlesenen Klub der edlen Messinglokbauer lasse ich mal außen vor.
Oder sind die meisten schon so skeptisch bezüglich des Klimawandels, dass sie sich keine Häuser im Freien aufstellen zutrauen?
(Ich selber habe bereits üble Erfahrung mit Hagelsturm gemacht)
Märklin kocht weiterhin ohne neue Zutaten. Wo bleiben Kugellager und Radreifen aus Edelstahl?
Bei den Preisen müssten sie doch drin sein!
Immerhin gibt es noch bzw schon wieder zumindest Formneuheiten.
Bei der Ge 6/6 II würde ich jedenfalls behaupten, dass man sich als Inspiration eine zerlegte Lok von Kiss angeschaut hat.
Kiss... ja, die Firma baut wirklich schöne und maßstabgetreue Modelle. Günstiger lässt sich so etwas wirklich nicht herstellen.. Für Vitrine sind sie wunderschön. Ob damit die Kunden viel im Garten fahren, möchte ich jedoch bezweifeln. Wie anders könnte ich mir sonst erklären, dass nur ich ernsthafte Probleme sehe?
Die lernfähigste Firma ist in meinen Augen der vielgeschmähte PIKO.
Leider im Phantasiemaßstab, aber immerhin.
Was PIKO in den Jahren seit dem Einstieg in den Spur G Segment an Formneuheiten geleistet hat, ist bewundernswert.
Natürlich gibt es auch hier Abstriche:
So verweigert PIKO hartnäckig und konsequent jede Gestaltung von den Pufferbohlen und Stehkesseln der Dampfloks.
Diese zwei Bereiche würde ich als Zumutung bezeichnen. Andererseits eröffnet das ein Betätigungsfeld für jene, die selbst mal auch die Hand auflegen wollen. Und technisch sind die Modelle einwandfrei, zumindest kann man das über die BR24 /64 behaupten.
Einzig die Elektronikhersteller sind beinahe hyperaktiv. Die Anleitungen zu den Decodern haben bereits fast schon den Umfang einer Diplomarbeit. Auch für technisch versierte Kunden, zu welchen ich mich zählen möchte, tuen sich damit nicht ganz leicht.
Lobenswert zu erwähnen Zimo in Österreich.
Der SW Entwickler widmete mir eine ganze Stunde seiner Zeit, um mir die richtigen CV Werte für bestimmte Funktion zusammenzustellen. (= selbst er konnte es nicht schneller)
Manchmal werde ich richtig wütend, wenn ich sehe, was uns da an Unperfektion verkauft wird.
In jedem anderen Geschäftsbereich wäre so was nicht überlebensfähig.
Aber diejenigen von uns wenigen, die sich dieses Hobby noch leisten können und wollen, haben halt keine wirkliche Wahl. Und Geduld, viel Geduld wird gefragt.
An Lieferterminen hält sich außer PIKO keiner.
Aber man darf das ganze halt nicht zu ernst nehmen, es ist nur ein Hobby...
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5 Monate 5 Tage her #16206 von pfleido
"Märklin kocht weiterhin ohne neue Zutaten."

Ist wie in einer Kantine wo man genau weiß was man isst und was eben nicht.

Insgesamt sehe ich das nicht so dramatisch.

Bei LGB fehlt (mit Ausnahme der Cola Züge) weiter der Gedanke zueinander passender Angebote (neudeutsch cross-selling).

Zur grünen 6/6 II hätte man auch den Salonwagen in grün/beige (oder ungefahren ganz grün) bringen können.

www.rhb-info.ch/wp-content/uploads/2018/08/007-1024x506.jpg

Stattdessen wieder ein durchaus attraktiver FO/MGB Wagen, für den nicht wirklich eine Lok zu haben ist.

Auf Piko übertragen, wäre das eine 103er ohne die neuen IC Wagen. Die machen es halt richtig.

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5 Monate 4 Tage her #16207 von RhB_HJ
Aus meiner Sicht macht jeder das Beste mit dem was kommerziell erhältlich ist und man sich leisten will/kann.
Abgesehen von dem finde ich Selbstbau/Umbau ist angesagt, wenn man ein bestimmtes Ziel verfolgt bei dem man genau festgelegt hat um was es gehen soll.
Dann kommt eine störrische Einstellung zum Zug, entweder passt's oder es bleibt aussen vor; egal welche "Überraschungen" auf dem Markt auftauchen.
Zugegebener Massen fällt das leichter wenn man den Rahmen begrenzt z.B. Zeitraum 69-75, Lokalität zwischen Filisur und Preda (mit Abstrichen und einer Freelance Station).
Der Fuhrpark wird auch kleiner, d.h. beschränkte Anzahl von typischen Wagen anstatt Exoten.
Fahrplangestaltung orientiert sich am Vorbild und passt sich den Möglichkeiten an, denn bekanntlich sind Zugkreuzung auf eingleisigen Strecken halt nur in Stationen möglich.:whistle:
Auf der ehemaligen H0m Grossanlage wurde überschlagmässig mit 10% von dem was beim Vorbild lief gerechnet. Im Garten liegt die Quote viel, viel niedriger.

Schönen Gruss
HJ
Hans-Joerg Mueller
Coldstream BC Canada

RhB - ganz weit im Westen von Canada ca. '69 bis '75. Als die RhB noch vorwiegend grün und wenig(er) verschandelt war.

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5 Monate 4 Tage her - 5 Monate 4 Tage her #16209 von Michel M
Im Grossen und Ganzen schliesse ich mich gern meinen Vorrednern an, greife jedoch die Aussagen "Die [Piko] machen es halt richtig" und dass sich Piko an Liefertermine haelt nochmal auf.

Hinsichtlich der letzteren Thematik zitiere ich meinen Haendler, der mich im Dezember 2019 dazu wissen liess: "Die halten ihre Termine seit gut einem Jahr nicht mehr und es ist bei denen damit mittlerweile wie bei allen anderen".
Mir selbst faellt eine Beurteilung des Themas mangels hinreichender Erfahrung mit Piko schwer.

Sicherlich sind in den letzten Jahren mehr Formneuheiten aus Sonneberg als aus Goeppingen gekommen. Bei genauerem Hinsehen fragt man sich aber sinnbildlich zu welchem Preis... da wird - kurz gesagt - Gewinnmaximierung mit geringst-moeglichem Aufwand betrieben. Das Resultat sind detaillose Pufferbohlen, armaturenlose Fuehrerstaende (bei Dampfloks huebsch eklatant), allenfalls angedeutete Inneneinrichtungen (z.B. IC Wagen, Silberlinge) und duennwandige Gehaeuse, die einen teils labilen Eindruck machen.
Ob man in Sonneberg hiermit den schmaleren Geldbeutel oder Sehbehinderte bedienen moechte ? Die Frage stellte sich nicht wirklich, die Maxime heisst Profit mit moeglichst wenig Einsatz. Doc Wilfer wuerde vermutlich mit derselben Taktik genausogut andere Produkte produzieren und unters Volk bringen.

Beispiel IC-Wagen. Kaeufer zahlt ca. 250,- + 100,- fuer Kugellagerradsaetze + 50,- (?) fuer Beleuchtung... macht in Summe ca. 400,-
Dafuer bekommt der Kaeufer keine Anbauteile and den Wagenfronten, keine Anbauteile am Wagenboden und zwei klobige Spritzteile als Interieur, in welches nicht einmal die 1:32 Preiser-Figuren ohne OP oder Fettabsaugung passen. Sowie Fenstereinsaetze, die gern mal aus der Fassung geraten (bevor der Kaeufer sie festklebt).
Ich meine mich zu erinnern, dass man fuer EUR 400 in Goeppingen mehr bekommt.

Good, bad or ugly... ist halt so.
Bei hinreichend hohem Haben-Wollen-Faktor wird's G'lump gekauft und aufgebrezelt.
Oder eben nicht.

LG

Michel
Letzte Änderung: 5 Monate 4 Tage her von Michel M.
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5 Monate 4 Tage her #16210 von Pekri 59
Dass unserem Hobby der Nachwuchs fehlt das sehe ich vor allem. Es gibt einfach zu viele Angebote für Junge. Meistens sind sie in einer virtuellen Welt. Das ist sicher sehr schade. Bei einer meiner anderen Leidenschaft der Musik, Schwerpunkt E-Gitarre sieht man den gleichen Prozess.
Wo ich aber nicht einverstanden bin mit euch ist dass es zu wenig Angebote gibt. Es gab noch nie so viele Angebote wie heute. 1985 kündigte LGB die kleine Rh.B. Ge 2/4 an. Sie wurde dann mit 21/2 Jahren Verspätung ausgeliefert. Die nächste Ankündigung die Rh.B. Ge 4/4 ll hatte auch etwa 2 Jahre Verspätung. Es gab zu keiner Lok passende Wagen. Entweder man baute selbst oder man fuhr mit Phantasiezügen herum. Ich machte beides. Vermutlich müssen wir uns damit zufrieden geben was noch kommen wird. Da auch das Vorbild eher auf eintönige Pendelzüge ausgerichtet sein wird und die tollen Lokomotiven immer mehr zurückgedrängt werden, werden auch die Hersteller nur noch Farbvarianten eines Allegras oder ähnlichem herausgeben können.

Wo ich aber wirklich enttäuscht bin ist, dass die Hersteller von Modellbahnzubehör wirklich keine Investitionen leisten. Es sind die kleinen und feinen die da tolle Gebäude, Signale usw. anbieten. Preislich sind diese dann auch eher im gehobenen Sektor.
Und da beisst sich eben der Hund auch wieder in den Schwanz. Denn je teurer unser Hobby wird, desto weniger können es sich interessierte Jugendliche Menschen leisten.

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5 Monate 4 Tage her #16211 von dneu
Der Titel des Thema hat mich erschreckt - was soll die Frage?

Nach dem lesen, bin ich der Meinung, TIEFGREIFEND

Aber IST es den SO schlimm? Ich finde nicht, vieles liegt auch einfach in der Natur der Sache. Oder machen die Hersteller nicht was Ihr wollt? Nur weil man es in diesem Forum schreibt, machen die Göppinger natürlich noch längst keine langen Wagen. (da wären die Viernehimer ev die bessere Alternative..?? ;)

Die Aussage, dass man mit Kiss nicht ins Freie kann ärgert mich. Für mich ist sie schlicht weg falsch. Wenn die Anlage nicht ensprechend vorbereitet ist, kann man auch mit LGB nicht in den Garten! Und 3.5 Mille nur für die Vitrine wär mir dann die Kohle am falschen Platz investiert.
Und noch was, ich gehe mit meinen LGB Modellen genau so pfleglich um, wie mit meinen Kiss..!

Und auch ich bin der Meinung, das Angebot ist riesig! Man kann heute mehr BoBoIII zu Hause haben - als die RhB im Stall hat. Fast jedes Vorbild gibt es als Modell..

Aber die "Decoderdiplomarbeit":laugh: gibt mir auch zu denken - wer liesst UND versteht das Alles?

Thema macht nachdenklich, aber wird nicht so heiss gegessen, wie es gekocht wird.

LGD
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