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Werksfoto PULLMAN RhB ABe 4/4 ll 43 im NewDesign

Allegra steht nicht nur alleine als Synonym für die bekannten Zweifrequenzzüge ABe 8/12 der Rhätischen Bahn sondern eigentlich als Grusswort in rätoromanischer Sprache und heisst Willkommen. Willkommen heissen wir das neue Modell des ABe 4/4 ll der RhB Berninabahn der Firma PULLMAN. Nachdem KISS Modellbahnen vor doch schon längerer Zeit den Ausstieg aus der Produktion von Kunststoffmodellen vollzogen hatte, brodelte es nicht nur in der Gerüchteküche, sondern auch in der Konstruktionsabteilung von PULLMAN. Zu Hause ist PULLMAN unter dem Dach von ESU, die bereits erfolgreich in der Spur H0 tätig ist und neben dem Kerngeschäft, der Entwicklung und Produktion von komplexen Elektronikkomponenten, nun in einen weiteren Geschäftszweig erfolgreich zu werden versucht. Gleich mit zwei neuen Modellen wartet der neue Hersteller von Gartenbahnen auf. Einen Schotterwagen und den Triebwagen ABe 4/4 ll der 40er Serie in verschiedenen Varianten der Rhätischen Bahn.

Auf der Berninalinie wird seit Beginn des Betriebes die Zugförderung in erster Linie mit Triebwagen abgewickelt. Dies ermöglicht eine grösst mögliche Flexibilität in der Zugsbildung. Mit Triebwagen können in  den Randstunden Züge nur mit einem Triebfahrzeug alleine gefahren werden und je nach Bedarf ohne weiteres auch Personenwagen mitgegeben werden. Auch Güterzüge lassen sich Problemlos mit einem oder mehrern Triebwagen führen und sogar der Berninaexpress wurde bis zum erscheinen der Allegratriebzügr noch täglich mit zwei Triebwagen bespannt. Beim Kunststoffmodell des ABe 4/4 II von PULMANN handelt es sich um eine Neukonstruktion die ihren Ursprung bei Kiss Modellbahnen fand. Die 3D Konstruktion des Modells lief noch unter der Regie von KISS Modellbahnen, ab dem Formenbau bis zur Endmontage war PULLMAN federführend.


Zwei PULLMAN RhB ABe 4/4 ll kämpfen sich durch den Neuschnee kurz vor der Station Diavolezza

Der Entscheid von PULLMAN, über das ganze Projekt von der Firmenübernahme bis zur Vorstellung des fertigen Modells, Stillschweigen zu wahren war weise getroffen. Denn mit einem frühzeitigeren Coming Out, wären Spekulationen Tür und Tor geöffnet worden. So wurde das Geheimnis "yust in time" erst kurz vor der Türöffnung der Nürnberger Messe 2015 gelüftet. Bis zur Auslieferung des fertigen Modells dauerte es dann noch bis Anfangs 2016. Das lange Warten hat sich gelohnt. Und echte Freunde der RhB stört dies wenig, denn die meisten sind froh, überhaupt ein Modell nach dem Vorbild des ABe 4/4 ll zu erhalten.

Das vorliegende Modell macht auf den ersten Blick einen authentischen Eindruck. Kompromisse in der Massstäblichkeit wurden bewusst eingegangen, man hat fast jeden möglichen Trick angewendet, um das Modell kürzer werden zu lassen ohne dabei die Optik all zu sehr zu beinträchtigen. Was eigentlich der Quadratur des Kreises gleich kommt, denn die Aufgabe bestand darin, ein fast 16 m langes Vorbild so zu verkleinern, dass es für den Standardradius in der 2m Spur von 60 cm kompatibel bleibt. Dazu sollte der Triebwagen auch mit den vorhandenen Wagen von LGB, KISS und anderen Herstellern gleichermassen kompatibel sein.

Die ersten CAD Zeichnungen ließen erkennen, dass es möglich sein würde, das Modell so zu „stauchen“ dass es trotzdem die typische Charakteristik des Vorbildes bewahren kann. Im Gegensatz zu einem Modell einer Lokomotive, wo man wenn nötig, Teile des Antriebes in den Maschinenraum hinein bauen kann, ist das bei einem Triebwagen mit den gut einsehbaren Fahrgasträumen weniger oder gar nicht möglich. Da aber die Antriebe eine teilweise gegebene Konstruktion aus den früheren Gem 4/4 Modellen war, musste für dieses Problem eine befriedigende Lösung gefunden werden. Die Lösung bestand darin, den Boden der Fahrgast- abteile höher zu legen, dadurch mussten den zwar den Sitzen die „Beine“ gekürzt oder ganz weggelassen werden. Wer seinen Triebwagen mit Reisenden ausstatten will, wird wohl auch seinen Fahrgästen die Beine kürzen müssen. Dieser Nachteil musste in Kauf genommen werden und wird am Schluss nicht als absoluter Fehler ausschlaggebend sein. Nachdem Antrieb und Elektronik in der Konstruktion ihren Platz gefunden hatten, liess man es sich bei PULLMAN aber nicht nehmen, dem Modell weitere digitale Features zu verpassen. Bei ESU ist Nomen est Omen, das heisst was elektronisch irgendwie möglich ist, soll auch in einem Modell ihre Verwendung  finden. So musste auch noch Platz für zwei Servoantriebe für die Stromabnehmer und Sensoren für das automatische Kurvenquietschen gefunden werden.

PULLMAN RhB ABe 4/4 ll 42 und 44 mit einem Regionalzug Richtung Tirano in der Montebellokurve vor dem Morteratschgletscher

Der Wagenkasten besteht aus dem Gehäuse an dem die Drehgestellplatten und eine Bodenplatte mit diversen Anbauteilen wie Kompressor, Batteriekasten und Druckluftbehälter montiert sind. Die Fenster sind allesamt eingesetzt. Dabei fällt postitiv auf, dass die Frontfenster absolut bündig im Wagenkasten montiert sind. Zusammen mit der nicht überdimensionierten Gehäusestärke hinterlässt dies einen vorbildlichen Eindruck. Die Fahrzeugfront ist mit vielen Details wie Schläuchen, Kabel, Steckdosen und Haltegriffen ausgerüstet. Die Scheibenwischer sind sehr  filigran und verlangen einen behutsamen Umgang. Auch den Dachaufbauten wurde große Aufmerksamkeit geschenkt. Unter dem Dach sind die Panotantriebe für die Stromabnehmer untergebracht. Auf dem Dach sind Lüfteröffnungen und der markante Bremswiderstandsblock zu erkennen. Last but not least, ziert das Pantogelenk der RhB Typische Warnblitz das Modell. Im Fahrzeuginnern, ist der gut sichtbare Führerstand ordentlich ausgerüstet. Ein Lokführer nach Schweizer Vorbild (ohne Schirmmütze) verrichtet seinen Dienst. Die Fahrgasträume sind mit farblich abgesetzten Sitzen ausgestattet. Für die moderne Version der Epoche V wurde fast zu viel des Guten gemacht, den im New Design sind alle Sitze einheitlich im gleichen braunton gehalten. Früher da waren Raucher und Nichtraucher Abteile noch gut durch die unterschiedliche Farbgebung in rot und grün zu erkennen. Nicht vergessen wurden die markanten Gepäcknetze, an die sich jeder schnell wieder erinnert, wenn er mit den Original Fahrzeugen einmal eine Fahrt über den Bernina gemacht hatte. Das WC Fenster wurde weiß hinterlegt, ein nicht unwichtiges Detail. Die Elektronik mit Kabel, Decodermotherboard und dem Decoder ist unsichtbar im Schrank, wo sich beim Vorbild die Stufenhüpfer befinden, untergebracht.

Vom PULLMAN ABe 4/4II Modell gibt es nur noch digitale Modellvarianten. Dieser Entschluss ist nach verständlich, insbesondere mit Blick auf das Mutterhaus. ESU bietet eine komplette Palette an ausgereiften Elektronikkomponenten für die Modellbahn an. Angefangen von Decodern über Servos für Stromabnehmer  bis hin zu Lautsprechern und Lichteffekten. Diese Komponenten wurden ausnahmslos in diesem Modell vereint. So verfügt das Modell über einen Loksound V4.1XL Fahrzeugdecoder mit Sound. Der Sound wurde von einem noch verbliebenen Originalfahrzeug aufgenommen.

Die Stromabnehmer werden über je einen eigenen, vorbildlich langsam laufenden Servoantriebe angetrieben, selbstverständlich synchron zum passenden Sound. Das Modell ist üppig illuminiert mit Führerstandsbeleuchtung, Dienstbeleuchtung und Fahrgastabteilbeleuchtung, beim Bremsen mit den Bremsklötzen, kann die Funkenbildung der Gussbremsklötzen wahrgenommen werden. Untermalt wird dieses Feuerwerk an Elektronik durch den authentischen Sound des Vorbildes der fulminant aus dem serienmäßig eingebauten Lautsprecher erklingt. Ventilatoren, Umformermaschine, Kompressor, Vakuumpumpe und natürlich das typische Fahrgeräusch eine Gleichstromtriebwagen sind perfekt auf einander abgestimmt. Erstmals in einem Gartenbahnmodell wird das authentische Kurvenquietschen, es stammt von einem Zug in der Montebellokurve, automatisch beim befahren von Kurven ausgegeben. Ein Mindestradius ist dabei einzuhalten. Das sich auch typische Stationsansagen abspielen lassen ist an sich nicht mehr besonders erwähnenswert, das gehört zum Standard jedes modernen Decoders. Dass sich bei den ABe 4/4 ll Triebwagen alle Stationsansagen von St. Moritz bis Tirano einzeln, in der richtigen Reihenfolge und fahrrichtungsabhängig abspielen lassen, ist hingegen einmalig. Analogfahrern stehen in begrenztem Umfang einige dieser Features zur Verfügung.


Zwei PULLMAN RhB ABe 4/4 ll als Regionalzug in Alleinfahrt

Der PULLMAN TW ll zeichnet sich durch eine robuste Mechanik aus, die aus dem gewählten Antrieb resultiert. Die Laufeigenschaften sind gut. Die Zugkraft ist ausreichend um auch drei EW I aus Metall über Steigungen von 45‰ ohne Probleme zu befördern. Die Ansprüche der Kunden an die Hersteller von Gartenbahnmodellen ist gross. Die Firma PULLMAN ist in der Lage, diese Ansprüche mit hochwertigen Kunststoffmodellen zu befriedigen. Dies betrifft Lokkasten, Drehgestellrahmen und Kleinteile gleichermassen. Angetrieben werden die ABe 4/4 von PULLMAN über längs eingebaute, drehmomentstarke Bühler Motoren, in den neu konstruierten Getriebekästen. Die mehrfach kugelgelagerte Motorwelle mit den selbsthemmenden Antriebschnecken treibt über ein zwischen Ritzel die wiederum kugelgelagerten Antriebsachsen an. Insgesamt wurden 12 Kugellager pro Antriebsblock verbaut.

Edelstahlachsen mit gut abgestimmtem Getriebe für hohe Zugkraft Die PULLMAN ABe 4/4 ll überzeugen durch hohen Detaillierungsgrad

Trotz Kompromissen in der Länge, konnte die typische Charakteristik des Vorbildes gewahrt werden.




Masse in mm Vorbild 1:22,5 Modell Abweichung in mm Abweichung in %
Länge über Puffer 16540 735 680 -55 -7.5 %
Länge Lokkasten 15500 689 620 -69 -9 %
Drehzapfenabstand 11000 489 434 -55 -11 %
Drehgestellachstand 2200 98 98 +0 +0 %
Breite 2650 117 114 -3 -2 %
Höohe aber SOK 3377 150 147 -3 -2 %
Raddurchmesser neu 920 40.8 42 +1.2% +4 %
Stromaufnahme bei 20 V Leerfahrt 0.39 A
Stromaufnahme bei 20 V Volllast 1.51 A

Piktogramm für ESU ECoS zum download

PULLMAN RhB ABe 4/4 ll 42, 43, 44 und 46 posieren gemeinsam vor dem Depot Pontresina

Die Triebwagen der 40er Serie von PULLMAN sind eine willkommene Bereicherung des Fuhrparks. Die grosse Anzahl an Varianten im ursprünglichen wie auch im new Design erfüllen den Wunsch in jeder Epoche uneingeschränkt eingesetzt werden zu können. Die unterschiedlichen Fahrzeugnummern erlauben sogar originalgetreue Doppeltraktion. Eine Betriebsform für die diese Modelle geradezu prädestiniert sind. Die PULLMAN ABe 4/4 ll sind eine gelungene Umsetzung des Vorbild ins Modell und wecken Hoffnung auf Mehr.

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