Beitragsseiten

Zur Fotogalerie

Die Kiss RhB Ge 6/6 erfüllt den langersehnten Wunsch vieler Modellbahner nach einem massstäblichen Krokodil für die Gartenbahn

    Die legendär gewordene elektrische Lokomotive der Rhätischen Bahn mit der offiziellen Typenbezeichnung Ge 6/6 I aus den Zwanzigerjahren, die vor allem unter dem Beinamen «Krokodil» weltbekannt wurde, an dieser Stelle noch vorzustellen würde bedeuten, Eulen nach Athen zu tragen. Wie diese zugkräftige Zugmaschine zum «Kriechtier» wurde ist nicht mit Sicherheit bekannt. Der Übername dürfte aber eher auf die wenige Jahre früher vor schweren Güterzügen am Gotthard eingesetzte Elektrolokomotive der Schweizerischen Bundesbahnen zutreffen. Dieser Loktyp wies mit seinen typisch schmalen und langen Vorbauten eine völlig neue Bauart auf. Der 8-achsige Kraftprotz mit einer Länge von rund zwanzig Metern weist bei seinem Einsatz auf der steilen und kurvigen Rampe am Gotthard schon eher Ähnlichkeiten mit einer Panzerechse auf. Der Spitzname wurde später aber auch auf die bauähnliche Schmalspurvariante der Rhätischen Bahn, auf die vor allem auf der Albulastrecke eingesetzte Stangenlok Ge 6/6 übertragen. «Krokodil» ist also sowohl für die normalspurige als auch schmalspurige Variante dieses Loktyps zum Synonym neben der offiziellen Bezeichnung Ge 6/6 oder C`C` geworden. Diese ausserordentlichen Triebfahrzeuge wurden schon seit Jahrzehnten zu einem bevorzugten Thema für die Fachpresse und von ihren Anhängern bewundert. Vom schmalspurigen «Krokodil» der Bündner Staatsbahn stehen von ehemals 15 Exemplaren nur noch deren zwei für Sonderfahrten zur Verfügung. Das hat die Beliebtheit dieser charaktervollen Stangenlok bei ihren Fans nur noch mehr gesteigert.

    Nun wenden wir unseren Blickwinkel vom Vorbild auf die Modellbahnwelt. Als Modell hat das markante Triebfahrzeug der Rhätischen Bahn, das Bündner oder in der Szene auch liebevoll kleines «Krokodil« genannt wird, in allen Spurweiten die Herzen der Modellbahner längst erobert. Diese Faszination hat dieses Bijou denn auch zu einem Bestseller gemacht. Im Fokus dieses Beitrags steht nun eine Neuerscheinung in Spur IIm, das in jeder Beziehung neue Massstäbe setzen wird, ein Modell wird zu einem Meisterwerk! Zwar gibt es seit bald 40 Jahren ein Modell des Krokodils der Rhätischen Bahn für die Spur IIm, mit dem der Nürnberger Hersteller LGB seinerzeit die Gartenbahnwelt neu definiert hat. Das wohl erfolgreichste Modell im Freilandgelände hat vier Jahrzehnte lang den Markt beherrscht. Bei diesem Modell wurden seinerzeit etliche Kompromisse bezüglich Originaltreue eingegangen, vor allem auch was die Masstreue betrifft. Das Modell aus dem Hause Kiss Modelbahnen wird diesen Platzhirschen aber unbehelligt lassen, denn es wird in eine echte Marktnische drängen, als Kleinserie in die Welt des Besonderen, als ein Meisterwerk für versessene «Krokodilfans»!

    Bezüglich optischer als auch technischer Perfektion wurden höchste Ansprüche gestellt. In einem ersten Schritt der Konstruktion wurde ein virtuelles Modell am Computer geschaffen. Dank Erfahrung und Innovation wurde die Messlatte auch für dieses in limitierter Stückzahl in feiner Handarbeit gefertigte Modell von vornherein hoch angesetzt, und so entstand eine authentische Nachbildung. Mit Hilfe der computerunterstützten Konstruktion CAD wurden Lösungen für praktikable Fertigungsprozesse erarbeitet. Konstruktionszeichnungen für hunderte von Einzelteilen basieren auf Planunterlagen des Vorbilds, auf unzähligen Skizzen und Fotos. Die meisten Zurüstteile wurden im Stanz-, Ätz- oder Schleudergussverfahren gefertigt. Viele Teile wurden zusammengelötet oder verschraubt. Ein grosses Augenmerk wurde der Farbgebung gewidmet, darüber muss man wissen, dass die Ge 6/6 beim Vorbild in mehreren verschiedenen Brauntönen unterwegs waren und kein einziger Farbton als Absolut angenommen werden darf. Kiss hat den Farbton aller angebotenen Varianten gut getroffen. Die feinen, zum Teil nur wenige millimetergrossen Beschriftungen werden im Siebdruckverfahren angebracht, das einen makellosen Druck gewährleistet oder entstanden auf Messingblechen in Ätztechnik.


    Beschriftungen im Tampondruckverfahren Geätzte Gitter und Riffelbleche aus Messing

    Authentische Materialen für Bremsschläuche und Elektrische Verbindungen Der Blick in den Führerstand offenbart den horrenden Detaillreichtum

    Kiss musste den Konstrukteuren strenge Vorgaben für die Umsetzung des Vorbildes ins Modell machen, dies auf Grund dessen, dass das Modell auch auf den Schienen von LGB Gartenbahnanlagen mit zum Teil erheblich enger Gleisgeometrie und ausgeprägter Schienprofilgrösse mit grossen Steigungen und massiven Gefällsbrüchen verkehren sollte. Durch die Achsanordnung von 2 x drei Achsen pro Drehgestell konnte nicht mehr mit Sicherheit garantiert werden, dass der LGB R1 Radius mit lediglich 600 mm sicher befahren werden kann. Die Lok befährt einen garantierten Mindestradius von 800 mm was R2 entspricht. Dafür sind alle Achsen mit Spurkränzen versehen. Entsprechendes seitliches Achsenspiel musste dafür gewährleistet werden. Die drei Achsen werden von einem Pitmanmotor mit einer grossen Schwungmasse über einen Zahnriemen auf die mittlere Achse angetrieben. Über die Kuppelstange werden die Achsen 1 und 3 sowie die Blindwelle angetrieben. Für einen taumelfreien Lauf des Modells scheint diese Lösung ideal zu sein. Die Lok bringt ein Gewicht von fast 10 kg auf die Waage, dies bedingt auch eine solide Konstruktion der Gelenke zwischen Lokkasten und Vorbauten. Zu beachten galt es dabei, dass die Gelenke nicht nur Radialen- sondern auch geringen Achsialenbewegungen folgen können. Um den Abstand zwischen Vorbauten und Lokkasten möglich gering halten zu können aber trotzdem eine hohe Kurvenlauffähigkeit garantieren zu können, wurde eine Art Kinematikkonstruktion angewendet. Diese schiebt in Kurven die Vorbauten von dem Lokkasten weg und zieht sie nach der Kurve wieder zusammen. Die Detaillierung vom Spurkranz bis zum Stromabnehmerschleifstück setzt Massstäbe. Trotz der Vorgabe auf Handelsüblichem IIm Gleismaterial verkehren zu können, scheinen die Spurkränze nicht überdimensioniert. Der ganze Antrieb aus Metall wirkt dermassen authentisch, dass nur noch das herunterlaufende Oel fehlt. Schläuche und Kabel aus vorbildlichem Material im Gelenkbereich sind selbstverständlich und das bewegliche Trittbrett aus Riffelblech rundet das Erscheinungsbild ab. Nur in Vitrinen können die originalgetreuen Führerstandstreppen mit den fein gelochten Schutzblechen montiert werden. Diese sind den Modell zur selbst Montage beigelegt. Für den Fahrbetrieb sind dem Modell spezial Treppen beigelegt, die einen vergrösserten Abstand zum Modell haben, montiert schmeicheln diese Teile dem Modell nicht sonderlich. Ganz auf Treppen zu verzichten scheint uns sinnvoller.


     

    Vergleich einer kurzdach Version Ge 6/6 403 und einer langdach Version Ge 6/6 413 mit geschlossenem Schienenräumer

    Eine Augenweide stellen die verschieden Lüftergitter dar. Alle Gitter sind ausnahmslos und vorbildrichtig durchbrochen ausgeführt. Unterschiedliche Lampen je nach Variante zieren die Vorbauten, komplettiert mit beweglichen, langen oder kurzen Übergangsblechen, Heizkabeln, Luftschläuchen, Modell Kupplungshaken und gefedertem Mittelpuffer. Die Führerstandsfrontfenster sind mit zwei, feinen, richtig montierten Scheibenwischer versehen, die selbstverständlich auch die farblichen Unterschiede aufweisen. Die Farbgebung des Modells ist gut getroffen. Kiss bewies schon beim Berninakrokodil, dass der Griff in den Farbtopf nicht dem Zufall überlassen wird. Je nach Betriebsnummer sind die Modelle Rehbraun oder Olivbraun lackiert. Wer das Vorbild kennt, weiss, dass auch die RhB ihren „Echsen“ immer wieder einmal ein anderes braun gegeben hat, so dass nicht einfach ein uniformes braun als sakrosankt richtiges Outfit gilt. Kiss bietet auch die Variante der Ge 6/6 412 75 Jahre Glacier Express in blau an. Das blaue Farbkleid der 412 war beim Vorbild nicht unumstritten, aber sicher speziell.

    Beim Blick in den Führerstand fällt einem sofort das gut sichtbare, filigran gestaltete Bremsventil der Rangierbremse auf. Aber auch Vakuumbremsventil und das Stufenhandrad wurden nicht vergessen. Hebel und Schalter wurden aufwändig farblich abgesetzt und akzentuieren den Führerstand in einer neuen, bisher nur in anderen Spurweiten bekannten Dimension. Die Fabrikschilder, die Bahninitialen, Führerstandsbezeichnungen und die Loknummern sind geätzte Messingschilder und authentisch nachgebildet.

    Ein Traum auf Schienen und der neue Star unter den Modellreptilien, die Kiss RhB Ge 6/6 I in IIm

    Alle Varianten weisen je nach Epoche unterschiedliche und die richtigen Revisionsdaten auf. Vollständige Bremsanschriften und Angaben zur erlaubten Höchstgeschwindigkeit komplettieren das Erscheinungsbild. Weitere derart unscheinbare Details, das sie  ohne entsprechenden Hinweis wohl kaum von blossem Auge bemerkt würden, sind der Hinweis auf den vier Blindwellendeckel „Kein Oel einfüllen, Gummidichtung“ oder die Warnhinweise und Blitze an der 1000 V Heizkupplung. Eine Meisterleistung der Beschrifter!



     

    Immer wieder wird davon ausgegangen, dass ein Hersteller zwar unterschiedliche Loknummern anbietet, es aber bei den Unterschieden dann vielleicht doch nicht ganz so genau nehmen würde. Wenig bekannt dürfte den Modellbahnern die Tatsache sein, dass es bei der Rhätischen Bahn Krokodile mit kurzen und langen Dächern gegeben hatte. Auch diesen Unterschied wurde bei Kiss nicht unterschlagen und sogar die Schutzgitter die bei den Vorbildern mit kurzem Dächern der 1. Serie vorhanden waren, wurden realisiert. Eine besondere Herausforderung stellen auch die unterschiedlichen Detailrealisierungen bei der Variante der Ge 6/6  402 dar. Dieses Modell wird in der sogenannten Ursprungsversion oder Ablieferungsvariante angeboten. Das Vorbild verfügte nicht von Angang an über den markanten Schienenräumer, sondern lediglich über zwei kleine Bahnräumer. In der Ablieferungsvariante war die mittlere Lampe am Vorbau nicht klein, sondern gleich gross wie die beiden unteren Lampen und nicht am, sondern auf dem Vorbau angebracht. Weiter verfügt die Ge 6/6 402 über Fahrmotorenventilatoren im vorderen Chassis Bereich, die die andern Versionen später nicht mehr hatten. Sogar das grosse Übergangsblech an der Lokfront musste beachtet werden. Alles Details die alles in Allem immer zuerst bemerkt und dann auch in der Produktion umgesetzt werden müssen. Die Stromabnehmer der KISS Krokodile sind modifizierte Standartstromabnehmer eines Zulieferers. Als erster Hersteller hat aber Kiss richtiger weise bemerkt, dass die serienmässig angebrachten unteren Kreuzverstrebungen bei diesem Fabrikat für Modelle nach RhB Vorbild falsch sind und hat diese vor dem Einbau entfernt. Dafür wurde die Federn im Bereich des Schleifstückes zusätzlich angebracht, was dazu führt, dass nun auch die Stromabnehmer den hohen Anforderungen die Punkto Vorbildlichkeit an das Modell gestellt werden, zu genügen vermögen.

    Nicht nur für die Vitrine, die Kiss RhB Ge 6/6 I 415 ist voll Freilandtauglich und geschaffen für den Einsatz auf der Gartenbahn

    Serienmässig wird das Modell mit einem ESU Digital Sounddekoder LokSound XL V4.0 angeboten. Der Decoder zeichnet sich durch seine hohe Leistung für die Traktion aus, aber auch durch einen grossen Speicher für Sounddateien. Vakuumpumpe oder der charakteristische Klang der Kollektormotoren verleihen dem Modell eine fulminante Klangkulisse. Ein integrierter Energiespeicher sorgt dafür, dass auch auf verschmutzten Schienen keine Kontaktprobleme bemerkbar werden. Auf grosse Features wurde bewusst verzichtet und ist auch gar nicht zwingend notwendig. Die Stromabnehmer haben keine Hebe- und Senkfunktion jedoch wurde bereits an passender Stelle ein Loch vorgesehen, für diejenigen die ihr Modell nachträglich noch nachrüsten möchten.

    Lange Zeit war das Modell des Marktleader LGB in dieser Spur unumstritten. Die Kompromisse an den Massstab wurden hingenommen, weil der Gesamtein- druck dadurch nicht erheblich gestört wurde und das Modell im Einsatz auf der Anlage sein Vorbild ordentlich zu repräsentieren vermochte. Doch mit der Auslieferung des Kiss Modells der RhB Ge 6/6 I ist ein neues Zeitalter in der Welt der Schienenreptilien angebrochen. Der neue Star auf der Gartenbahn vermag durch Materialwahl, Modellumsetzung und nicht zuletzt durch die absolute Massstäblichkeit die Schönheit und die Kraft des Vorbildes in einem noch nie dagewesen Masse zu repräsentieren.

    Erhältlich ist das Modell über den spezialisierten Fachhandel, jedoch ist bereits vor der Auslieferung der grösste Teil der Produktion ausverkauft. Interessierte müssten sich rasch für einen Kauf entscheiden und haben nicht mehr die Auswahl aller angebotenen Varianten. Kiss Modellbahnen ist dem Streben nach Perfektion unbeirrt treu geblieben, hat Bewährtes beibehalten und setzt auf neue Technologien wenn es darum geht, die Wünsche der Modellbahner kompromisslos umzusetzen. Ein Meisterwerk der Feinmechanik darf bald ihre Jungfernfahrt in die Modellbahnwelt antreten. Ein „must have“ für jeden echten Krokodilfan.

    Kunstvolle Veredelung der Kiss RhB Ge 6/6 413 durch die Hand von Dr. Herbert Cadosch - originalgetreuer kann man seine Ge 6/6 nicht mehr realisieren

    Zur Fotogalerie