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RhB Einheitswagen III

RhB Personenwagen von Train Line Gartenbahnen  – endlich massstäblich auf der Gartenbahn 


RhB Einheitswagen III A1271 als massstäbliches Modell von Train Line Gartenbahnen GmbH

Bereits 1984 – nur ein Jahr nach der Ablieferung der Vorbildwagen – brachte LGB mit dem RhB A 1272 (Art.-Nr. 3067) einen EW III auf die Gartenbahn. Das Modell war allerdings lediglich 620 mm lang und blieb damit deutlich hinter der massstäblichen Länge des Vorbildes zurück. Es entstand in einer Zeit, in der ein Personenwagen nach rhätischem Vorbild vor allem eine Bedingung erfüllen musste: Er sollte irgendwie und unbedingt durch den kleinsten R1-Radius von 600 mm kommen. Vorbildgerechte Proportionen standen dabei nicht unbedingt an erster Stelle – eine bedingte Ähnlichkeit mit dem Vorbild musste genügen.

Mehr als vier Jahrzehnte später greift Train Line Gartenbahnen GmbH dieses attraktive RhB-Vorbild erneut auf – diesmal konsequent im Massstab 1:22,5. Und bemerkenswerterweise schafft auch der massstäbliche Wagen den R1-Radius von 600 mm.

Was damals selbstverständlich erschien, wirkt aus heutiger Sicht erstaunlich. In anderen Spurweiten hat sich die Entwicklung längst weiterbewegt. Auch dort versuchten die Hersteller zunächst, die schiere Grösse moderner Reisezugwagen mit verkürzten Modellen in den Griff zu bekommen. Märklin arbeitete über lange Zeit mit verkürzten Wagen, Roco machte den Längenmassstab 1:100 populär. Inzwischen sind jedoch massstäbliche Reisezugwagen im Massstab 1:87 weitgehend selbstverständlich geworden.

Auf der Gartenbahn verlief diese Entwicklung wesentlich langsamer. Güterwagen lassen sich aufgrund ihrer überschaubaren Abmessungen noch vergleichsweise einfach massstäblich realisieren, und auch bei Lokomotiven werden korrekte Proportionen zunehmend zum Standard. Passendes und ebenfalls massstäbliches Personenwagenmaterial blieb dagegen rar – insbesondere nach Schweizer Vorbildern. Aber auch zahlreiche interessante deutsche und österreichische Vorbilder wurden entweder nur angekündigt oder nie umgesetzt.

Umso erstaunlicher ist, dass ausgerechnet Train Line 45, bislang nicht unbedingt als Hersteller von RhB-Fahrzeugen bekannt, ohne grosse Vorankündigung einen EW III präsentiert. Die Wahl des Vorbildes ist dabei durchaus geschickt. Personenwagen für das RhB-Stammnetz erreichen beim Vorbild Längen von rund 18,5 Metern. Massstäblich umgesetzt ergeben sich daraus in 1:22,5 Wagen von mehr als 80 Zentimetern Länge – für eine Gartenbahn bereits eine Herausforderung.

Die kürzeren Fahrzeuge der Berninalinie wären zwar einfacher umzusetzen, entsprechende Vorbilder wurden jedoch bereits von Kleinserienherstellern angeboten. Der EW III bildet hier einen interessanten Mittelweg: Mit rund 16,5 Metern Länge über Puffer bleibt er deutlich kürzer als die grossen Stammnetzwagen, ist aber dennoch ein stattlicher Reisezugwagen. Das TL45-Modell bringt es auf 732 mm Länge.

 

Detail des Drehgestells vom Typ SWP 74 mit den serienmässig angebrachten gelben Radmarkierungen.

Und um es vorwegzunehmen: Der Wagen ist nicht nur für den Kenner der Rhätischen Bahn sofort als EW III zu erkennen. TL45 hat das charakteristische Erscheinungsbild des Vorbildes erstaunlich kompromisslos ins Modell übertragen.

Nach dem Rangiertraktor Tmf 2/2 wollte TL45 offenbar nahtlos an das Konzept eines technisch anspruchsvollen, konsequent umgesetzten Schweizer Modells anknüpfen. Die Entscheidung für einen RhB-Personenwagen war schnell gefällt – schwieriger war dessen Umsetzung. Denn 732 mm Wagenlänge sind im Kunststoffspritzguss kein Pappenstiel. Spritzgiessmaschinen, die entsprechend grosse und insbesondere lange Bauteile in einem Stück fertigen können, sind nicht alltäglich. Die erst vor Kurzem bei TL45 angeschaffte Maschine verfügt jedoch über die notwendigen Voraussetzungen, um solche Bauteile selbst herstellen zu können.

Besonders bemerkenswert ist dabei das Tempo: Nur rund neun Monate lagen zwischen dem Startschuss des Projektes und der Präsentation des fertigen Modells. Noch erfreulicher für den Kunden ist, dass es nicht bei der Präsentation bleibt. Keine Ankündigung mit Liefertermin im nächsten Jahrzehnt. Kein „Produktion nur bei ausreichender Nachfrage“. Kein jahrelanges Warten auf die erste Serie. Für einen Hersteller bedeutet ein solches Vorgehen natürlich ein gewisses unternehmerisches Risiko. Es bleibt zu hoffen, dass der Markt diesen Mut honoriert. Denn genau solche Projekte bringen die Spur 2m weiter.

Bewusst verzichten wir an dieser Stelle auf den direkten Vergleich mit einem Modell des Marktführers – und geniessen stattdessen einfach die beeindruckende Grösse und die stimmigen Proportionen des TL45-Modells.