PROFIL  Spur 1 Anlage

Der MÄRKLIN TEE Rheingold Historic  mit der BR 103 als Zuglok macht auch auf der Spur 1 Anlage in Anlehnung an die MThB eine gute Figur

Wer quasi, wie die Jungfrau zum Kind, fast ungewollt zu Spur 1 Modellen gekommen ist, sich dann aber kaum mit einer "anderwandentlang"  Bahn begnügen will, muss passende Lösungen suchen und vor allem finden. Wer schon für eine Anlage im HO Massstab zu wenig Platz zur Verfügung hat, wird für eine Spur 1 Anlage kaum besser dastehen. Wenn überhaupt, reicht manchem der Platz für ein Spur 1 Projekt gerade knapp für ein bis zwei Weichen, mit meist zu engem Radius, die es einem gerade mal ermöglichen eine Köf und einen 2-Achsigen Wagen im Schritttempo zu rangieren. Der Mangel an Weite  lässt sich durchaus mit einer grossen detailtliebe bei der Ausstattung wettmachen, aber das "Fahren" von Zügen bleibt für viele ein unerfüllter Wunschtraum. Was bietet sich da nicht besser an, als die bereits im Garten vorhandene Spur 2m Anlage zu requirieren? Die Spurweite ist die selbe und Fahrversuche sind bereits mehrfach positiv verlaufen.

Vielen Modellbahner schwebt beim planen einer Modelleisenbahnanlage die Realisierung eines ralen Vorbildes vor. Gotthard oder Lötschberg, das Rheintal in Deutschland, der Arlberg für ÖBB Fans oder der Albula sind immer wieder gern gewählte Themen für die Umsetzung einer Idee zu einer Modelleisenbahn. Immer wird irgendwie versucht, ein Stück vom Vorbild in die heimischen vier Wände zu holen, wo dann an Anlehnung an die Wirklichkeit, mit den Modellzügen Betrieb gemacht werden kann. Auch bei der Verwirklichung meiner Anlagen beschritt ich diesen Weg. Einmal Lötscberg, zweimal Albula. Nicht im mindesten dem Vorbild entsprechend aber immer so, dass im Betrieb etwas von der Illusion "nahe am Schienenstrang des Vorbildes zu sein" aufkommt.

So machte ich es mir zur Aufgabe ein mögliches Thema für die vorhandene Gartenbahnanlage zu finden. Die einspurige Streckenführung, mit den doch recht happigen Steigungen und den eigentlich viel zu engen Radien, dazu die zwei kleinen Bahnhöfe mit nicht gerade übermässig langen Gleisen in 2m, suchten ein Vorbild in der Realität. Das meiste was irgendwie vom Vorbild her bekannt war, musste von vornherein wieder verworfen werden. Vollbahnstrecken mit schweren Lokomotiven und langen Zügen sind meist Doppelspurstrecken. Auch wenn es im Ausland reichlich Bahnen gibt, die einen Hauch vom Charakter meiner Anlage haben, sollte nach Möglichkeit ein Vorbild nach Schweizer Art gefunden werden. Die Strecke von Rapperswil nach Linthal wäre eine Möglichkeit. Die Bahnlinie durch das Tösstal eine andere. Mit Bestimmtheit war aber weder auf der einen noch auf der anderen Linie jemals eine DB BR 218 oder eine BR 103 jemals zu Gast. Lange hat es gedauert, bis ich mein Spur 1 Vorbild gefunden hatte. Obwohl ich die Strecke schon unzählige Male selber befahren habe, kam mir nie in den Sinn, genau diese Strecke als "Vorbild" zu wählen. Der MThB Streckenteil von Weinfelden nach Konstanz über Kreuzlingen entsprach genau dem Vorbild meiner Anlage. Die Strecke gehörte früher der eigenständigen Mittel Thurgau Bahn und ging nach deren Konkurs in den Besitz der SBB über. Auf der MthB (Heute eine THURBO Linie) verkehren als S-Bahn Züge vor allem Stadler GTWs. Die SBB führt stündlich direkte Züge von Biel über Zürich nach Konstanz und reger Güterverkehr, meistens Ölganzzüge bedienen die Tanklager von Altishausen und Lengwil. Züge mit Re 4/4 II, Re 460 oder Re 6/6 mit langen Personenwagen wie EW II und IV sind fast täglich auf dieser Linie anzutreffen. Aber auch Extrafahrten mit Dampf oder elektrischer Traktion mit einem SBB Krokodil oder einer mächtigen BR 52 sind keine Seltenheit. Es besteht auch durchaus die realisitische Möglichkeit, dass sich einmal eine DB BR 103 mit einem TEE Historic sich auf diese Linie verirren könnte. Und für die BR 218 lässt sich sicher auch eine plausible Berechtigung finden. Die Linienführung der Bahnlinie weist engen Radien und Steigungen bis 24 ‰ auf, Bahnhöfe mit zwei bis drei Geleisen, meist ohne Schienenfreie Zugänge dafür aber mit einem oder zwei Stumpengeleisen. Das die Strecke durchwegs einspurig verläuft ist auch kein Nachteil sondern entspricht genau der Charakteristik, die auf der vorhandene Modelleisenbahnanlage im Garten zu finden sind.

Vom dreigleisigen Modell Bahnhof "Weinfelden" mit zwei Stumpengeleisen, geht die Strecke in beiden Richtungen über starke Steigungen zum höher gelegenen Bahnhof "Berg", der sich beim Vorbild auf dem Seerücken befindet. In Berg würde sich eine grandiose Aussicht auf den Bodensee in die einen Richtung und an die Bergketten von Appenzellerland und Toggenburg in die andere Richtung eröffnen, auf der Modellbahnanalge bleibt dies eine Aufgabe der Phantasie des Betrachters.



Steigungen, Radien, einspurige Streckenführung - Ideales Vorbild für eine Spur 1 Anlage im Freien

Die damalige Mittel Thurgau Bahn wurde 1911 eröffnet und weisst eine Streckenlänge von 39 km auf. Sie erschliesst als Normalspurbahn mit 1435 mm Spurweite den Kanton Thurgau und ist für den Personen- und Güterverkehr konzipiert worden. Im Norden im Bahnhof Kreuzlingen besteht Anschluss an die Deutsche Bahn nach Konstanz und an die SBB Seelinie (Schaffhausen-Rorschach). In Wil im Kanton SG, dem südöstlichen Endpunkt der Bahn, besteht Anschluss an die Intercityzüge St. Gallen - Genf und in Weinfelden an die SBB Linie Romanshorn - Zürich - Bern - Brig. Auf der ganzen Strecke von Wil nach Kreuzlingen werden sieben Kunstbauten, davon vier mit beachtlichem Ausmass, befahren. Die Strecke wurde erst 1965, relativ spät, elektrifiziert.

Der Betrieb wurde vor allem mit Pendelzügen aus Triebwagen und Steuerwagen und je nach Fahrgastaufkommen mit zusätzlichen Steuerwagen abgewickelt. Für den Güterverkehr war eine Re 4/4, wie sie auch die SBB beschafft hatte, im Einsatz. Die MthB begann von sich Reden zu machen, als sie den Betrieb der DB Strecke von Radolfszell nach Stockach und von Konstanz über Singen nach Engen übernahm. Der Erfolg in Deutschland animierte zu Grösserem. Zusammen mit der SOB und dem Reisebüro Mitthelthurgau wurde die Firma Lokoop gegründet. Dieses Unternehmen übernahm diverse Leistungen für verschiedenste Bedürfnisse von Bahnkunden. Zu diesem Zweck wurden 1993 und 1994 zwanzig Lokomotiven E 42 aus Deutschland erworben und Schweiz tauglich gemacht. Vom Erfolg des Openacsess beflügelt wurden im Jahre 2000 zusätzlich 6 BR 146 Maschinen bestellt, die unter dem Logo der Lokoop diverse Ganzzugleistungen auf dem ganzen Netz der Schweiz und auch auf der DB übernahm. Im Jahre 2002 musste die MthB Konkurs anmelden.

Das Unternehmen wurde von der SBB Tochterfirma THURBO (THURgau BOdensee) übernommen. THURBO ist ein eigenständiges Unternehmen dass zu 90% der SBB und 10% dem Kanton Thurgau gehört. Die Altlasten (E 42 und BR 146) wurden abgestossen und Fahrzeuge des Typs GTW von Stadler beschafft. Das Netz der THRUBO beträgt Heute 590 km im ganzen Raum Ostschweiz und reicht von Baden AG bis nach Chur im Kanton Graubünden.